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Balenciaga-Hype: Der alte Meister und sein irrer Erbe

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Als Cristóbal Balenciaga von der ersten existenziellen Schaffenskrise gepiesackt wird, sitzt sein Geldgeber bereits voller Sorge und Ehrfurcht in Coco Chanels Vorzimmer. Soll er ihn weiter unterstützen? Alles glänzt hier vor Gold, von den Türklinken bis zu den Goldrahmen. Und als sich endlich eine Flügeltür öffnet und die Chanel eintritt, mit Perlen behängt wie ein Pfingstochse und konstant entnervt, hat er nur ein einziges ihn quälendes Begehr: „Glauben Sie, dass Balenciaga der Pariser Haute Couture würdig ist?“ Was für eine Frage, entgegnet die Modeikone. „Er ist nicht nur würdig, er ist besser.“ Für Coco Chanel ist klar: Balenciaga sei der letzte wahre Couturier. „Der Rest von uns ist nur Designer.“

Die Marquese macht den Meister

Es ist eine Szene, die bezeichnend ist (nach einem realen Zitat) in der neuen Serie „Cristóbal Balenciaga“ auf Disney+: Der alte Meister legte höchsten Wert auf Stil und Eleganz. Er war besessen von der Perfektion seiner Handwerkskunst. Und er war seiner Zeit weit voraus. 

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Zumindest bis er starb und in Vergessenheit geriet. Länger als 50 Jahre dauerte es, bis die Marke nach seinem Tod erneut für Furore im Modezirkus sorgt: Mit einem Frotteehandtuch, das als Rock getragen werden kann. Mit Crocs in Kanariengelb, wahlweise mit Stiletto-Absatz oder zentimeterdicker Plateausohle. Oder mit Handtaschen, die aussehen wie das Chipssackerl vom letzten Fernsehabend. Die Welt hat sich gewandelt – und Balenciaga mit ihr.

Als Sohn eines Fischers und einer Näherin kommt der Baske 1895 in ärmlichen Verhältnissen im 1.300-Seelen-Nest Getaria nahe San Sebastian zur Welt. Schon mit elf Jahren lernt er nähen und zeigt sich begabt für die Schneiderei, was darin gipfelt, dass er einer Marquese ein Belle-Époque-Kleid nachschneidert, das dermaßen perfekt ausfällt, dass die Besagte fürderhin zu seiner wichtigsten Förderin avanciert. 

Sie ist es, die ihm eine Schneiderlehre finanziert. Und sie ist es auch, die ihm die Eröffnung eines Salons für Damenmode ermöglicht, erst in San Sebastian, dann in Madrid, schließlich in Barcelona. In Spanien kleidet er die Aristokratie ein, etwa Königin Maria Christina. 1936 verlässt Balenciaga Spanien, flüchtet vor dem Bürgerkrieg. 1937 landet er in Paris.

Stars wie Elizabeth Taylor (Bild, mit Richard Burton) oder Ava Gardner trugen Kleider des Spaniers. Heute tun dies Nicole Kidman oder Dua Lipa. ©imago/ZUMA Press/ZUMA Press/imago stock&people

Geheimnisumwittert und scheu

Hier setzt die Serie ein. Denn die erste Zeit in Frankreich, dem Mutterland der Haute Couture, verlief für Balenciaga holprig. Schnell musste er anerkennen, dass im Revier der Platzhirschen Chanel und Dior andere Gesetze herrschen. Die ersten Versuche, sich als Modeschöpfer zu etablieren, fruchten nicht. Doch Qualität setzt sich durch und bald tragen die berühmtesten Göttinnen der Welt seine Kreationen: Greta Garbo wie Elizabeth Taylor, Ava Gardner und Jackie Kennedy. Und weiter gekrönte Häupter, wie die belgische Königin Fabiola bei ihrer Hochzeit.

Die verworrenen, faszinierenden und oft genug tragischen Lebenslinien berühmter Modedesigner sind häufig wie gemacht als Filmstoff für die Streaming-Riesen. Verfilmungen der Leben von Halston oder Versace haben es vorgezeigt. Mit der Serie über den spanischen Couturier versucht Disney nun, einer breiten Öffentlichkeit zu verdeutlichen, welchen Einfluss er auf die Welt der Mode hatte, wie betont wird. Und wagt es, einem Geheimnisumwitterten auf die Spur zu kommen. 

Immerhin weigerte Balenciaga, der stets im Schneiderkittel auftrat und nach Fashionshows nie vor den Vorhang kam, sich zeitlebens beharrlich Interviews zu geben. Fotografien existieren bloß wenige. Seine Modeschauen ließ er stets einen Monat nach der Pariser Modewoche stattfinden, damit niemand seine Ideen stehlen könne. Geladen waren neben wenigen Journalisten einzig Privatkunden. Mit denen weigerte der scheue Star sich meistens selbst zu sprechen. Der Wirkkraft seiner Schöpfungen konnte all dies indes nichts anhaben.

Erst mutig, dann schockierend

Mit seinen Kleidern schuf Balenciaga eine unverwechselbare Silhouette für die Frau. Im Gegensatz zu Christian Dior entfernte er sich vom Ideal des taillenbetonten Sanduhr-Looks und erfand Ballonröcke sowie Sackkleid und Baby-Doll-Kleid, Kimonoärmel und Cape-Boleros. Und er erdachte die I-Silhouette, die gerade Schnitte brachte, die mit breiten Schultern einhergingen. „Eine Frau muss nicht perfekt oder gar schön sein, um meine Kleider zu tragen“, sagte er. „Das Kleid wird das alles für sie tun.“

Trotz seines Erfolges beendete der Spanier 1968 seine Karriere. 1972 starb er an einem Herzinfarkt.

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Und heute? Lange Jahre war es ruhig um die Marke Balenciaga. Erst Demna Gvasalia führte sie wieder zu, nun ja, nicht altem, jedoch neuem Glanz. Völlig neuem. Mit dem Triple-S-Sneaker beispielsweise gelang es ihm, einen Hype auszulösen. Seit 2015 Kreativdirektor, sorgen seine Ideen regelmäßig für Aufsehen oder Skandale. 2017 entwarf er eine Tasche, die dem gut bekannten blauen Ikea-Sackerl ähnelte. Allerdings 2.000 Euro kostete.

Mit seinen Provokationen überholte er sogar Gucci und machte Balenciaga zum hippsten Label der Welt. Ugly Fashion heißt das Stichwort, das vor allem die Herzen der Jungen höher schlagen lässt. Ironie zum Anziehen, so ließ Demna etwa einmal seine Outfits in einer Sonderfolge der Zeichentrickserie The Simpsons“ vorstellen. Ebendort setzte er auch ein Statement gegen den Ukraine-Krieg und ließ seine Models im Schneesturm mit Plastiksäcken in der Hand auflaufen. Er macht aber auch Fehler: Kampagnenfotos von Kindern mit Teddys in Fetisch-Outfits waren unangemessen. Dafür hat er sich entschuldigt.

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