Diamant- oder Weltallbestattung: Abschied nehmen geht auf unterschiedliche Arten

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Bestattungsplanung

Träume von Exkursionen ins Weltall oder auf den Grund des Meeres müssen keine Luftschlösser mehr bleiben. Zumindest nicht nach dem Tod. Statt traditioneller Bestattungen im Sarg oder in der Urne gibt es nämlich mittlerweile eine große Bandbreite an alternativen Beisetzungsarten: Diamant-, Weltallbestattung oder die Zersetzung in einer Lauge – Bestattungsinstitute wie Gnoth Bestattungen in Maintal versuchen die Wünsche ihrer Kunden zu erfüllen, damit das eigene Begräbnis so individuell wird wie etwa die Gestaltung der Wohnung oder die Wahl des Autos.

Maintal – „Sie können bei uns tatsächlich alles bekommen, was machbar ist“, bestätigt Willi Heuse, Geschäftsführer von Gnoth Bestattungen. Der 56-Jährige wurde in ein Familien-Bestattungsunternehmen hineingeboren, seine erste Überführung meisterte er mit 14 Jahren. Heute ist Heuse Experte auf seinem Gebiet und kennt sich auch mit exotischen Bestattungsarten aus. Und davon gebe es viele, wie Heuse berichtet. Schwierig sei jedoch die gesetzliche Lage. Denn in Deutschland herrscht der sogenannte Friedhofszwang, der es vorschreibt, Tote auf kommunal oder kirchlich dafür vorgesehenen Friedhöfen zu begraben. „Man kann vieles über Umwege im Ausland machen. Aber ich finde es schade, dass man tricksen muss, damit Familien bekommen, was ihnen gut tut“, kommentiert Heuse diese gesetzliche Vorgabe.

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Am wichtigsten ist für ihn, den Verstorbenen zu würdigen, seinen Abschied angemessen zu gestalten und die Familie zu begleiten. Dieser Abschied nehme manchmal eben auch besondere Formen an, plaudert Heuse aus dem Nähkästchen.

So habe er beispielsweise in Maintal schon einmal eine Diamantbestattung durchgeführt. Dabei wird ein Teil der Asche des Verstorbenen nach der Kremation in einem technischen Verfahren mit Druck und Zeit zu einem Diamanten gepresst. Angehörige können sich aussuchen, wie viel Karat der Edelstein haben soll, erklärt Heuse. Der Rest der Asche müsse auf einem Friedhof beigesetzt werden. Drei bis sechs Monate dauert es, bis ein solcher Edelstein fertig ist. Danach können Angehörige daraus beispielsweise ein Schmuckstück fertigen lassen.

Noch ausgefallener ist eine Weltallbestattung. Dafür wird ebenfalls nur ein Teil der Asche nach einer Feuerbestattung verwendet. Fünf Gramm werden in einer Kapsel per Satellit in den Weltraum geschickt, die restliche Asche muss auf der Erde beigesetzt werden. „Manchmal kommt jemand herein und möchte sich darüber informieren. Aber tatsächlich haben wir hier noch keinen im Weltraum bestattet“, erzählt Heuse. „Spätestens beim Preis winken die meisten ab und danken für das Gespräch“, fügt er lachend hinzu. Denn das Versenden einer Aschekapsel ins All ist nicht gerade billig. Laut Heuse fangen die Preise in den USA bei 25 000 Euro an. Nur sehr wenige könnten deshalb dem Traum folgen, nach dem Tod noch nach den Sternen zu greifen.

Für den Geschäftsführer steht zwar die Zufriedenheit seiner Kunden und ein angemessener Abschied an erster Stelle. Deshalb helfe er Angehörigen auch bei ausgefallenen Wünschen. Aber es gibt auch eine alternative Bestattungsform, deren Sinnhaftigkeit er hinterfragt: die Reerdigung. Sie kommt ursprünglich von „Recompose“ (was auf Englisch so viel wie „wieder zusammensetzen“ heißt), wurde 2017 von Katrina Spade in den USA eingeführt und bedeutet, dass der Zersetzungsprozess des verstorbenen Körpers in einem Container auf circa 40 bis 70 Tage verkürzt wird.

Dabei entsteht Hummus, der dann bestattet werden kann. „Ich finde es toll, wenn jemand eine neue Idee hat. Nur was hier tatsächlich der Nutzen für den Angehörigen sein soll, erschließt sich mir nicht“, stellt der 56-Jährige klar. Denn der Prozess sei der gleiche wie bei einer einfachen Sargbestattung, nur eben zeitlich gestrafft. Der Unterschied liege einzig bei Geld, Aufwand und Zeit. Gegen die sogenannte Resomation, auch alkalische Hydrolyse genannt, spreche aus seiner Sicht jedoch nichts. „Das Verfahren erinnert ein bisschen an Krimis, in denen Körper in der Badewanne mit Säure zersetzt werden“, sagt er.

Bei der Resomation handelt es sich um eine Bestattungsform, bei der der Körper des Verstorbenen in einer starken Lauge zersetzt wird. Am Ende bleibt wie bei einer Kremation ein ascheähnliches Produkt, das bestattet werden kann, übrig. Der Unterschied zur Feuerbestattung: die Lauge ist energieeffizienter als das Krematorium.

Doch wie viele Menschen entscheiden sich in der Realität gegen eine traditionelle Erd- oder Feuerbestattung und für eine dieser exotischen Alternativen? „Wir haben hier zu 99 Prozent Feuer- und Erdbestattungen und ich sehe auch nicht, dass sich daran etwas ändern wird. Vielleicht mit den kommenden Generationen. Exotische Arten sind nicht so beliebt“, stellt Heuse fest. Selbst weniger außergewöhnliche Arten wie die Baumbestattung seien bei seinen Kunden nicht besonders populär. Laut Zahlen des Friedwalds machten sie einen Marktanteil von circa fünf Prozent aus, erläutert der Bestatter.

Wie er sich selbst als Bestatter eigentlich beisetzen lassen möchte? „Ich möchte eine Feuerbestattung. Was meine Familie mit der Asche danach macht, ist mir egal“, sagt der 56-Jährige schulterzuckend. „Wenn ich tot bin, bin ich tot. Dann kriege ich davon nichts mehr mit. Da bin ich auch zu meinen Kunden ganz offen. Es ist eine Frage der Einstellung, was ist mir wichtig? Das muss jeder für sich selbst entscheiden und da gibt es kein Richtig oder Falsch.“

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Von Kristina Geldt

 

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