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Endlich Millionär: Warum die Lebenslotterie Erbe akzeptiert wird

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Frank Jödicke

Marlene Engelhorn weiß, dass ihr nur zugehört wird, weil sie geerbte Millionen zu vereilen hat. Die Aufmerksamkeit nutzt sie für Kritik an diesem Zustand. Foto: Hannah Fasching / APA

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BASF-Erbin Marlene Engelhorn will 25 Millionen Euro per Bürgerrat rückverteilen. Das gefällt nicht allen. Woher kommt die Solidarität mit Superreichen?

Marlene Engelhorn wird gerne als „die Millionenerbin“ apostrophiert und das allein klingt schon ein wenig nach Kriminalfall. Ihr Verbrechen? Sie kündigt einen gesellschaftlichen Konsens auf, der in der Akzeptanz dafür besteht, dass wer reich ist, eben einfach Glück gehabt hat.

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Engelhorn trifft mit ihrer persönlichen Entscheidung, leistungslos erhaltenes Vermögen der Öffentlichkeit zurückzugeben, einen Nerv.

Ich habe ein Vermögen und damit Macht geerbt, ohne etwas dafür getan zu haben. Und der Staat will nicht einmal Steuern dafür.

Gleichzeitig kommen viele Menschen mit einem Vollzeitjob nur schwer über die Runden – und zahlen für jeden Euro, den sie mit Arbeit verdienen, Steuern.

Ich sehe das als Versagen der Politik, und wenn die Politik versagt, dann müssen die Bürger:innen das selbst angehen. Wenn die Politik ihren Job nicht erledigt und umverteilt, dann muss ich mein Vermögen eben selbst rückverteilen.

Marlene Engelhorn

Engelhorn greift einen neuralgischen Punkt des gesellschaftlichen Gefüges frontal an: „Die Reichen“ machen die Regeln und haben auch die öffentliche Debatte im Griff. Ihr ist die Pointe nicht entgangen, dass sie mit der Bereitstellung ihres Vermögens dieses Machtverhältnis erneut festschreibt.

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Denn ohne ihr Vermögen, würde ihr niemand zuhören, wie sie selbst betont. Bemerkenswert ist nun zunächst die Ablehnung, die Engelhorns humanistisch vorbildliche Entscheidung in Foren und Kommentaren in sozialen Medien einfährt. Sie würde verschenken, was ihre Vorfahren hart erarbeitet haben.

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Abgesehen davon, ob diejenigen, die eine BASF-Fabrik leiten, wirklich härter arbeiten, als jene, die in der Fabrik teilweise nur einen höchst überschaubaren Lohn beziehen, muss grundsätzlich gefragt werden: Warum solidarisieren sich Menschen so gerne nach oben?

John Steinbeck hatte hierzu bereits Mitte des 20. Jahrhunderts eine Vermutung: „Die Armen in Amerika empfinden sich nicht als ausgebeutete Proletarier, sondern als zeitweilig verhinderte Millionäre.“

In dem Moment, indem sich ein Mensch als schwerreich fantasiert, duldet er anscheinend keine Kritik mehr am Reichtum an sich. So als wollte er sagen: Schließlich will ich es eines Tages auch mal gut haben und den anderen auf der Nase herumtanzen.

Deshalb werden Gameshows wie „Wer wird Millionär?“ oder Lotterien niemals ernsthaft in Frage gestellt. Dabei ist eine Lotterie im Kern nichts anderes, als eine Umverteilung von unten nach oben.

Die meisten Arbeiter und Angestellten zahlen ein ganzes Leben bei Toto und Lotto ein, ohne je etwas zu gewinnen. Nur eine winzige Anzahl an Person wechselt per Millionengewinn hinüber ins „Eine Prozent“.

Nun ist der Effekt der Lotterien gesellschaftlich gesehen so gering (es gewinnt nämlich fast niemand), dass er zu vernachlässigen ist. Eine andere Lebenslotterie hingegen läuft wie geschmiert und ist ein wichtiger gesellschaftlicher Faktor: das Erben.

Quelle: Read More 

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