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Fachtagung betrachtet sozialethisches Erbe Joseph Ratzingers

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Bestattungsplanung

DOMRADIO.DE: Sozialethik ist nicht unbedingt das Stichwort, woran man bei Joseph Ratzinger denkt. Da geht es eher um die Theologie, die „Einführung in das Christentum“, die Jesusbücher. Welche Rolle spielt denn die Sozialethik für ihn? 

Prof. Dr. Christoph Ohly (Rektor der Kölner Hochschule für Katholische Theologie, KHKT; Vorsitzender des Neuen Ratzinger Schülerkreises und Kölner Domkapitular): Das war erstaunlich. Als wir uns überlegt haben, was wir auch aus Anlass des ersten Todestages für eine Tagung konzipieren könnten, kam dieser Vorschlag von einem Kollegen aus dem Institut für ökonomische Bildung an der Universität Münster. 

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Könnte man nicht mal den Blick darauf legen, ausgehend von der Enzyklika „Caritas in Veritate“, wo viele dieser gesellschaftsrelevanten Fragen und wirtschaftsethischen Herausforderungen angesprochen werden. Da mal zu schauen: Welche Bedeutung hatten sowohl die theologischen Darlegungen als auch so manche Ansprachen für gesellschaftsrelevante Fragen bei ihm? 

Es ist erstaunlich, wie viel da bei der Konzeption der Tagung sichtbar geworden ist, wo doch diese Verbindung zur Sozialethik und zu den Gesellschaftswissenschaften bei ihm fundiert vorliegt. Ziel des Ganzen war, das zu erschließen und als eine kleine Forschungslücke aufzutun. Wir wollen uns damit befassen, anstatt mit einem vielleicht klassischen Thema, was man sowieso mit ihm verbinden würde. 

Wir sind jetzt schon sehr dankbar dafür, dass das auf großes Interesse stößt. Wir haben eine Vielzahl von Anmeldungen und Rückmeldungen bekommen. Wir rechnen mit ungefähr 200 Personen, die an diesen beiden Tagen teilnehmen. Es scheint ein Interesse geweckt zu haben, einmal auf diesen Aspekt zu schauen. 

Prof. Dr. Christoph Ohly

DOMRADIO.DE: Das ist auch spannend. Also Papst Benedikt XVI. mit den großen Glaubensbüchern, die wir kennen – und auf einmal kommt da eine ganz andere Richtung rein, dass er vielleicht auch eine politische Bedeutung hatte? 

Ohly: Er hat auch große politische Reden gehalten. Wenn wir an Berlin denken, wenn wir an London und an Paris denken. Das ist zu erschließen im Blick auf die gesellschaftliche Relevanz von Glaubenspositionen oder Glaubensüberzeugungen. Wir haben versucht, das in der Tagung einigermaßen strukturiert anzugehen, was überhaupt Grundsatzthemen angeht. 

Zum Beispiel dieses große Wort von der „Ökologie des Menschen“ in der Berliner Rede, das hat eine eminent gesellschaftsrelevante Bedeutung mit vielen sozialethischen Perspektiven. Dann gilt es aber auch, in konkrete Anwendungsgebiete zu gehen bis hin zu fragen, wo mögliche Konsequenzen aus diesen Überlegungen liegen. 

Mich wird besonders interessieren, wenn ein Sozialökonom wie Professor Althammer aus Ingolstadt zu dieser Frage sprechen wird, der eben fragt: Was ist aus ökonomischer Perspektive, aus „Caritas in Veritate“ und aus der katholischen Soziallehre zu lernen? Oder wo sind Anmerkungen zu finden, die uns helfen können, auch ökonomische Fragen zu lösen, zu erörtern und entsprechende Lösungsmodelle dafür zu finden? 

DOMRADIO.DE: Vieles ist in der Krise. Das hat auch mit Ökonomie zu tun. Auch die Demokratie ist in der Krise. Da ist es umso wichtiger zu erkennen, dass der Glaube nicht nur privat ist, sondern auch politische Auswirkungen hat. 

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Ohly: Wir haben in diesen Tagen auch auf dieses Gespräch zurückgeblickt zwischen Jürgen Habermas und  Kardinal Ratzinger damals, wo es um das große Thema Glaube und Vernunft ging. Es ging auch um die Frage: Wo finden wir grundsätzliche Positionen, die – sehr plakativ – den Glaubenden mit dem Nichtglaubenden oder dem Andersglaubenden verbinden können? 

Und wo finden wir durch solche Überlegungen gemeinsame Positionen, die uns nicht nur verbinden, sondern die uns auch eine Hilfe sind, gesellschaftliches, politisches und wirtschaftliches Leben zu prägen und zu organisieren? 

Prof. Dr. Christoph Ohly

DOMRADIO.DE: Bei Kardinal Ratzinger streiten sich die Gemüter. Gerade haben wir es wieder in dieser Diskussion um seine Habilitation erlebt. Wie erklären Sie sich, dass die Person Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI. so sehr polarisiert? 

Ohly: Ich glaube, einen Grund dafür zu finden, ist nicht auszumachen. Es ist die Person und sein Denken überhaupt. Das ist letztlich ein positiver Ausweis, dass Gedanken, die ein Mensch äußert und entwickelt – und das in einer faszinierenden Weise – natürlich zum Zuspruch, aber auch zum Widerspruch führen. 

Dann setzt man sich nicht nur mit Positionen auseinander, sondern natürlich auch mit der Person, die damit verbunden ist. Das ist etwas, was wir von ihm sagen können. Person und Wort, Person und Bekenntnis kommen bei ihm ganz eng zueinander. Wenn es tatsächlich Angriffe sind, wie man das dann auch ab und zu mitbekommt, die die Person an sich diskreditieren wollen… ich glaube, da ist jede Diskussion nutzlos. 

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Wenn es darum geht, inhaltlich einzusteigen und auch um Positionen zu ringen, da sind wir, so habe ich ihn jedenfalls erlebt, ganz bei ihm, denn das war immer sein Ziel. Das haben auch die eigentlichen Schüler, die frühen Schüler, die bei ihm gearbeitet haben, immer gesagt. 

Die Doktorandenkolloquien waren eine freie Auseinandersetzung mit Themen, die nachher wieder kanalisiert wurden – und es wurde gefragt: Was kommt dabei letztlich heraus? Was können wir davon mitnehmen? Von daher ist es wirklich immer spannend, ihm in seinen Werken zu begegnen und sich mit ihm auseinanderzusetzen. 

DOMRADIO.DE: Streit und Diskussion können ja auch immer fruchtbar sein. Er hat damit auch gespielt. Er hat auch manchmal Stichworte gesetzt, um wieder ein bisschen Lebendigkeit in eine Diskussion zu bringen. 

Ohly: Das ist ja auch nicht schlecht. 

Prof. Dr. Christoph Ohly

DOMRADIO.DE: Wen haben Sie alles eingeladen? Wie ist das Spektrum der Fachtagung am Montag und am Dienstag

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Ohly: Es sind drei Kooperationspartner. Neben der KHKT ist es die „Joseph Höffner Gesellschaft für christliche Soziallehre“ und das Institut für ökonomische Bildung der Universität Münster. Da war uns wichtig, dass wir auch aus verschiedenen Bereichen Personen einladen. 

Um mal drei zu nennen: Wir haben Professor Schallenberg, der sehr stark für die Moraltheologie, die christlichen Sozialwissenschaften, steht. Wir haben die große Religionsphilosophin Prof. Gerl-Falkovitz dabei. Wir haben Professor Althammer dabei. 

Wir haben als „Grandseigneur“ der christlichen Sozialwissenschaften Professor Lothar Roos dazu gebeten, dass er aus seiner langen Perspektive einen Beitrag dazu leistet, zumal er Benedikt als Person und als Theologen sehr gut kennt. 

Es ist also ein großes Spektrum von verschiedenen Persönlichkeiten, die da zusammenkommen und die versuchen, das aus unterschiedlicher Disziplin und Perspektive anzugehen. Wir wollen versuchen, es auch nachher zu publizieren und damit dieses Spektrum deutlich machen, das dabei entstanden ist. 

Es ist eine sehr dynamische Tagung, die da angelegt ist, um sich diesem Thema zu widmen. Wir wollen hoffen, dass es gut geht.

Das Interview führte Johannes Schröer.


Am Tag seines Todes, dem Silvestertag 2022, hat der Vatikan das Geistliche Testament von Papst Benedikt XVI. veröffentlicht, das er bereits am 29. August 2006 verfasste. Die Katholische Nachrichten-Agentur dokumentiert den Text in der Originalfassung (in alter Rechtschreibung):

Quelle: Read More 

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