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Muslimische Bestattungen: „Ein Gottesdienst für den Verstorbenen“

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Bestattungsplanung

In einem islamischen Bestattungsunternehmen in Garbsen bei Hannover bieten Senay und Yasim Celebi Beerdigungen für Musliminnen und Muslime an. Dazu gehört beispielsweise, dass sich die Hinterbliebenen aktiv beteiligen können, wenn die Verstorbenen rituell gewaschen werden. „Der Wunsch der muslimischen Familien ist sehr groß, auch mitzuwaschen. Das ist eine große Bereicherung, eine große Hilfe und ein Prozess des Abschieds. Bei uns ist jeder Schritt ein Gottesdienst für den Verstorbenen, und den nehmen die Familien gern an“, sagt Senay Celebi.

Anders als bei nicht-muslimischen Bestattungen wird der Tote nicht angekleidet, sondern in weiße Tücher gehüllt. Eine Urnenbeisetzung, eine Einäscherung ist im Islam tabu, erklärt Senay Celebi: „Der Körper muss unversehrt bleiben, als Ganzes in die Erde zurückgebracht werden, eine Feuerbestattung kommt im Islam nicht in Frage.“ „Wir müssen den Verstorbenen so behandeln, als wenn er leben würde“, ergänzt Yasim Celebi.

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Muslimische Bestattungen: Fortschritte bei deutschen Regelungen

Nach islamischem Ritus soll der Verstorbenen so schnell wie möglich bestattet werden. „Lange Zeit war es so, dass die Bestattungsgesetze eine Bestattungsfrist von 96 Stunden vorgesehen hatten. Um einen Scheintod auszuschließen, musste man so lange warten“, erläutert Thomas Lemmen, Professor an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen. „Dann haben aber mit Blick auf die muslimischen Bestattungen viele Länder die Regelungen geändert und die Bestattungsfrist auf 48 Stunden heruntergesetzt.“ In Nordrhein-Westfalen kann der Leichnam mittlerweile sogar schon nach 24 Stunden bestattet werden.

Thomas Lemmen hat soeben eine Studie über islamische Bestattungen auf deutschen Friedhöfen erstellt. Eines der Ergebnisse: Auch bei der muslimischen Tradition, einen Verstorbenen nur im Leichentuch beizusetzen, sind in Deutschland Fortschritte zu verzeichnen: „Bundesländer haben den Sargzwang abgeschafft, und damit können die Friedhofsträger ihrerseits Bestattungen ohne Sarg zuzulassen, was tatsächlich Dreiviertel der Friedhofsträger in der Praxis machen.“ Lediglich die ostdeutschen Bundesländer Sachsen-Anhalt und Sachsen halten an der Sargpflicht fest.

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Der Wunsch auf eine Bestattung in der Heimat

Bei der Beerdigung spricht der Imam das Totengebet für den Verstorbenen. Der in Leinen gehüllte Leichnam wird mit dem Rücken auf die Erde gelegt, der Kopf wird leicht Richtung Mekka gedreht. Anschließend werden noch Holzbretter auf den Leichnam gelegt, erklärt Senay Celebi: „Das hat den Grund, dass die Erde nicht sofort auf den Körper fällt. Der Körper wird etwas geschützt durch die Holzbretter, die schräg über dem Leichnam angeordnet werden.“ Dadurch werde der Verwesungsprozess etwas verzögert.

Immer mehr Musliminnen und Muslime, die selbst nicht in Deutschland geboren wurden, wollen sich hierzulande bestatten lassen. Allerdings wollen bei der ersten Generation doch noch rund Zweidrittel der Migrantinnen und Migranten ihre letzte Ruhestätte in der Türkei finden. Zu den Gründen sagt Thomas Lemmen: „Die Rückkehr der ersten Generation wenigstens im Tod; die familiären Verbindungen ins Heimatdorf; die Vorstellung, dass die islamischen Riten eben doch besser dort einzuhalten sind; die Kostenfrage: Überführung ist günstiger als Bestattung in Deutschland; und die Vorstellung, dass dort mehr Menschen ans Grab gehen und Fürbitte halten.“

Und auch der Bestatter Yasim Celebi aus Garbsen bei Hannover möchte irgendwann einmal in seinem Geburtsort beerdigt werden: „Mein Vater ist noch da, meine Schwester und mein Bruder, wir haben noch einen guten Kontakt – von daher ich möchte auch in der Türkei beerdigt werden.“

Immer mehr muslimische Bestattungen in Deutschland

Bei den aus Bosnien stammenden Musliminnen und Muslimen will die Hälfte in der ursprünglichen Heimat bestattet werden; bei den arabisch-stämmigen Muslimen nur ein Drittel. Und je länger muslimische Migrantinnen und Migranten in Deutschland leben, desto eher wollen sie auch hier bestattet werden. So hat sich zum Beispiel in Hamburg die Zahl der muslimischen Bestattungen in den vergangenen 20 Jahren verdreifacht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur |
Freitagsforum |
12.01.2024 | 15:20 Uhr

 

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